Chronik
1986 – Die Gründung
Mitte der 1980er-Jahre stieg in Leipzig die Nachfrage nach Kleingärten stark an. Für viele war der Wunsch nach einem Stückchen Grün ein lang gehegter Traum. Da die bestehenden Vereine diesen Bedarf nicht decken konnten, beschloss der Leipziger Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter, eine neue Anlage zu schaffen. Die Wahl fiel auf ein Areal im Stadtteil Möckern, das aus Flurstücken bestand, die zuvor als Müllhalde und wilde Grabelandfläche genutzt worden waren. Der Zustand war alles andere als ideal: Ein Drittel der Fläche bestand aus Grabeland, Brachland und Unland. Umfangreiche Erdarbeiten waren nötig, um das Gelände urbar zu machen. So wurde der Müll aufgeschüttet und das Land rekultiviert. Bis heute stoßen Kleingärtner:innen beim Umgraben oder Anlegen von Beeten auf unterschiedliche Müllreste aus dieser Zeit – ein sichtbares Relikt der damaligen Nutzung. Schon frühzeitig konnten Interessierte beim Stadtbezirksvorstand Leipzig Nord des VKSK ihr Interesse an einer Parzelle anmelden. Diese Möglichkeit sprach sich vor allem über den „Buschfunk“ herum. Auch den bisherigen Grabelandpächter:innen wurde zugesichert, dass sie eine Parzelle erhalten würden. Allerdings führte eine Verzögerung durch den Stadtarchitekten des Rates der Stadt Leipzig dazu, dass die für den 4. März 1986 geplante Gründungsversammlung abgesagt werden musste. Ohne diese Versammlung fehlte die rechtliche Grundlage für die Gründung des neuen Vereins. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gebäudewirtschaft bereits die Pachtverhältnisse der bisherigen Grabelandpächter:innen gekündigt. Als Ersatz für die abgesagte Gründungsversammlung wurde am 11. März 1986 im „Anker“ ein Arbeitsgremium gegründet, das die Neuanlage vorbereiten sollte. Eine der ersten Maßnahmen war die Eingabe an den Rat des Bezirkes Leipzig und die SED-Bezirksleitung, um die Genehmigung der Anlage zu beschleunigen. Am 24. April 1986 berichtete Frau Ueberschär, dass der Plan gefasst wurde, die Gründung der neuen Gartenanlage bis zum 11. Parteitag der SED durchzuführen. Nach weiteren vier Wochen, am 9. Mai 1986, wurden schließlich die ersten 55 Gärten genehmigt. Doch nicht alle notwendigen Zustimmungen, beispielsweise zur Munitionsfreiheit oder zur Strom- und Wasserversorgung, lagen zu diesem Zeitpunkt vor. Diese Genehmigungen mussten nachträglich beantragt werden. Schließlich fand am 29. Mai 1986 die Gründungsversammlung des Kleingartenvereins statt. Inspiriert von der nahegelegenen Wettinbrücke erhielt der Verein den Namen „Kleingartenverein Wettinbrücke“ e.V. Allerdings waren die Fragen zur Strom- und Wasserversorgung weiterhin ungeklärt. Ein Antrag auf Erweiterung des Trinkwasseranschlusses wurde beim VEB Wasserwirtschatt gestellt und am 1. Oktober 1986 genehmigt. Dies ermöglichte die Errichtung von Trinkwasserzapfstellen entlang der Hauptwege des Vereins. Zudem wurde ein Bauaktiv beim Rat der Stadt Leipzig beantragt, um Bauanträge der Kleingärtner:innen bearbeiten zu können. Nach langem Warten wurde dieses Bauaktiv schließlich im September 1987 bestätigt. Die Entstehung des Kleingartenvereins „Wettinbrücke“ e.V. ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Entschlossenheit und den Einsatz zahlreicher Gartenfreund:innen. In einer Zeit des Wandels und der Herausforderungen wurde aus einer ehemaligen Müllhalde ein lebendiger Ort der Erholung und Gemeinschaft.
